Hochbegabung Balance Lebensqualität Ambivalenzen

Ich spreche wirklich aus Erfahrung, wenn ich sage, dass Balance ein heikles Thema im Leben Hochbegabter ist. Balance im Sinne einer harmonischen, eher gleichmäßigen Lebensgestaltung, die zur körperlichen, geistigen und seelischen Konstitution passt.

Und da schon liegt die Herausforderung: Der Geist ist ständig hungrig, sucht Input, Challenge, Abwechslung, spielt Bilder ins Bewusstsein, die wiederum Impulse geben, und will alles auf einmal. Alles, nur nicht ruhen! Doch der Körper, … der Organismus… er mag Rhythmus und Pausen und Ruhe und das Gleichmaß der Natur!

Wenn die Hochbegabung von einer Hochsensibilität begleitet wird,
ist die Polarität der Bedürfnisse noch augenfälliger, drängender. Ruhe und Aktion brauchen ein spezifisches Gleichgewicht, sonst bleibt das Wohlgefühl instabil.

Wessen hochsensibles Naturell zugleich offen extrovertiert ist, wer starke Reize und Intensiv-Kontakt braucht (Stichwort HSS), um sich gut zu fühlen und sich richtig zu spüren, kennt den Zwiespalt: Wann ist es Zeit, wieder umzuschalten?! Wann muss auch die schönste Party enden, damit das Nervenkostüm die Erholung bekommt, die es braucht? Auch: Wie viele Projekte sind genug, um noch (überall) zum Ziel zu kommen? Und passt das wohl noch, nach vier Fortbildungstagen zur Familienfeier und dann gleich von dort zur Arbeit und die neue Abteilung übernehmen?

Das Empfinden dabei ist, in zwei und mehr Richtungen gleichzeitig gezogen zu werden – und dann oft genug keine Entscheidung zu finden. Im unseligen Reich der Unentschlossenheit lebt es sich so gar nicht entspannt! Während ja ständig die kostbare Zeit verstreicht… eine weitere Qual für jene Hochbegabte, deren bereits erwachter Schaffensdrang doch auf jeden Fall mindestens 178.000 Projekte umsetzen will – und doch mit jeder Faser weiß, dass dieses Leben nicht ewig währt.

Es gibt wunderbare psychologische Methoden zum Auflösen von Ambivalenzen. (Sie bringen seligen Nachtschlaf zurück und schaffen Vertrauen in sich selbst und das Leben, dass es eine Wonne ist! Tatsächlich.) Es gibt geniale Zeitplanungsansätze speziell für Hochbegabte, scanner-spezifische Programme, Wissen und Möglichkeiten, um individuell-angepasste Lösungen zu finden, es gibt den Segen der ayurvedischen Heilkunde, mit deren Hilfe man Alltags-Harmonie und Wohlgefühl finden kann wie nie zuvor, und noch dazu besitzen wir bereits persönliche Strategien, die wir schon längst nutzen, sie aber nicht bewusst zur Verfügung haben, – kurz, es gibt tools über tools… und sie alle wirken Wunder!

Und manchmal hilft Humor doch glatt am schnellsten:

In einem freundschaftlich-mütterlichen Telefonat schilderte ich kürzlich wortreich meinen „parallelen exzessiven Ruhe- und Tatendrang“. Was ich tun wollte und will und muss und andererseits aber doch das Gegenteil brauche und soll und will und auch muss. Ich gab mich den damit verbundenen Empfindungen hin, den Ambivalenzen dieser Woche, der letzten, auch der vorletzten, analysierte die Parallelen sowie Abweichungen zum Vorjahr, würdigte den Einfluss der Jahreszeiten, beklagte die aktuellen Folgen (für meinen Körper, meine Psyche, meine spirituelle Entwicklung…) und malte die dramatischen zu erwartenden künftigen Effekte für mein Leben in schimmernden Farben (wobei das Material weniger einem Phantasy-Roman zur Ehre gereicht hätte, als vielmehr einem etwas schrägen Psychothriller). Nun gut, ich durchlebte die Verzückungen und Qualen der Stagnation in ihrer epischen Form!

– „Ja, Mantradevi, ist schön blöd mit einer Hochbegabung…!“ – Ein liebes, wissendes Lächeln am anderen Ende.

Da muss ich lachen. „Ach, ich bin doch nur abwechslungsgeil…, ich kann jetzt ruhig mal Pause machen!“ Sprach´s, putzte die Wohnung und fuhr dann gemütlich mit dem Radl ins Café! (- Natürlich mit 2 Büchern in der Tasche,… und selig entspannt, wie schön!!)

 

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