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Reden ist Silber – doch Schweigen könnte dein Leben kosten!

Ich habe mich für die Entwicklung entschieden. Ja, für die Wellen des echten, mal stockenden, mal heftigen, selten gleichförmigen, aber wirklich lebendigen Lebens.

Und das schließt das „Silber des Redens“ ein.

Es kam so:

Als ich in jungen Jahren ständig mit für mich hochgradig irritierenden Feedbacks von außen konfrontiert war, mich von fast allem, was mir passierte, verletzt fühlte und einen inneren Zusammenbruch nach dem anderen nur notdürftig bewältigte, kam ich zu der aus damaliger Sicht völlig logischen Einschätzung, dass mit mir etwas dermaßen nicht stimmen könne, dass es besser sei, mich zurückzuziehen.

Ich distanzierte mich von mir selbst, von nahezu all meinen körperlichen Empfindungen und vom Leben um mich herum. Ich funktionierte zwar ganz kontrolliert nach außen hin, um möglichst wenig Negatives auf mich zu ziehen (was natürlich nicht klappte, im Gegenteil!), aber so weit es mir möglich war, verlegte ich mich auf das zurückgezogene Beobachten und Analysieren dessen, was ohne Unterlass auf mich einwirkte.

Bis mein Raum enger und enger wurde. Ich konnte das, was ich erlebte, nicht verarbeiten. Es häufte sich zu bedrohlichen Wolken in meiner Innenwelt auf, durch die ich nichts mehr erkennen konnte. Irgendwann schließlich war jeder Reiz zu viel. Das Fass drohte überzulaufen. Ich wurde panisch und fühlte mich wirklich bedroht. (Auch wenn es Jahrzehnte zurückliegt, bemerke ich beim Schreiben eine Gänsehaut. Das nichtendenwollende Gefühl, zugleich verloren zu gehen und erstickt zu werden, war schlimm.)

Ich wollte weg, nur weg.

Auf dem Höhepunkt der Krise erinnerte ich mich meines analytisch und zugleich pragmatisch begabten Wesens und erwog recht nüchtern meine Optionen:

Von „andere Stadt“ über „Auswandern“ und „Kloster“ (my favorite!) bishin zu „frühzeitiges Ableben“ spielte ich durch, welches „weg“ mir wohl die größten Vorteile verschaffen würde. Ich kalkulierte meine Chancen, und war bereit, weit zu gehen. Die Verzweiflung war groß.

In einer Kette vieler kleiner Erkenntnisschritte (und mit irgendwann zum Glück reichlich Unterstützung von außen) wurde mir jedoch allmählich EINES vollkommen klar:

Egal wie und wo ich lebte, wenn ich nicht aufhören würde, ausschließlich „zu schlucken“, und nicht endlich begann, etwas, wenigstens etwas von dem, was mich beschäftigte, auszupacken, nach außen zu geben, würde ich daran ersticken, auf Hawaii, in Hamburg oder im nächsten Leben, völlig egal! Ich wusste, ich MUSS lernen, mich zu ÄUSSERN.

Eigentlich ist es logisch: Mein Verhalten verstieß gegen die Lebensprinzipien, denn:

Energie muss fließen. Nur Aufnehmen funktioniert nicht. „Geben“ gehört einfach dazu!

Aber was ist „echtes Geben“?

Geben, was andere von mir wollten oder brauchten, war für mich kein Problem. Auch kannte ich ein Geben aus Mangel an anderen Möglichkeiten, in Kontakt zu treten. Aber etwas von meinem Inneren, meinem eigentlichen, ganz echten Wesen zu geben, indem ich es einfach fließen und sichtbar werden ließ, erschien mir dermaßen bedrohlich, dass es maximal etwas fürs Tagebuch sein konnte, sicher und auf ewig verschlossen!

Erst als es gar nicht mehr anders ging, rang ich mich mit wild klopfendem Herzen durch – es erschien mir wie das sichere Ende, zugleich aber als meine einzige Chance: Ich begann über mich und meine Gefühle zu sprechen. Zunächst total kontrolliert und überlegt, dann überkam es mich mehr und mehr, mal eruptiv, mal bedächtig, mal schnell und flutartig – und mit immer mehr Übung und positiver Rückmeldung: bewusst. froh. erleichtert. Und schließlich irgendwann: 1:1 ich.

Mit Hilfe vieler achtsamer Begleiter durchforstete ich meine Lebensbereiche:

Was macht Freude? Was schmerzt mich? Was lösen bestimmte Worte aus – und manche Blicke? Was habe ich eben gedacht und letzte Nacht geträumt? Was tut mir gut? Was nährt mich? – Und ich sprach darüber. Es wäre schön gewesen, wenn schon damals wenigstens „Hochsensibilität“ ein Begriff gewesen wäre, aber ok, es ging auch so.

Diesen Weg beschritt ich, und ich würde sagen: Ich bin bis heute ganz gut unterwegs. Subjektiv fühle ich mich mutig, risikofreudig bis verwegen, durchaus lustvoll, ausreichend schräg, und ich handle glücklicherweise oft auch dann, wenn ich Angst habe, zu scheitern. Vor allem weiß ich: Was auch immer andere sagen mögen, ich bin mir selbst täglich etwas mehr treu!

Das erinnert mich an einen entzückenden Cartoon, auf dem ein Pinguin beim Pfarrer mit folgenden Worten sein Aufgebot mit sich selbst durchsetzen will: „Wieso soll das nicht gehen? Ich liebe mich, ich finde mich wunderschön – und ich werde mir immer treu sein!“

Wahre Liebe 🙂 , oder?!!

Ich habe mich also bewusst für ein Leben in Unvollkommenheit entschieden, da ich begriffen habe, die Alternative wäre, gar nicht zu leben. Unser Kern ist göttlich, unsere menschliche Erscheinungsform jedoch nicht.

Wenn es um Selbstausdruck geht, ziehe ich das Silber des Redens dem sicheren Erstickungstod eindeutig vor.

Ich habe mich für den Weg nach vorn entschieden, einfach, weil es mir ehrlicher, mutiger und denn doch verlockender erschien, als als vertrocknete Perfektionistin mit eingeklemmtem Gefühlshaushalt einzugehen. Und weil mir klar wurde: Irgendwann muss es sein!

Also sage ich, in voller Inbrunst und mit nur ganz leicht zwinkerndem Auge, nehmt euch ein Beispiel an mir: Ich bin so unvollkommen!

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Ich veröffentliche Blog-Artikel, obwohl ich weiß, dass sie nach ein paar Monaten Reifungszeit weiser, tiefer, kompakter (und sprachlich viel schöner) wären. Ich spreche, wenn es wichtig ist, auch über das, was mir die Schamesröte ins Gesicht treibt. Und sogar meine Klienten dürfen wissen (ooh, welch delikates Geheimnis…!), dass ich ein Mensch bin wie sie, hin und wieder fertig aussehe, etwas vergesse oder etwas völlig Unpassendes sage.

Ich zeige mich, obwohl ich nach all den Jahren keinerlei Illusion darüber habe, was es bewirkt: Manche Menschen werden mich lieben, manchen bin ich herzlich egal, und andere werden mich unmöglich finden, nervig, peinlich, pathetisch, unspirituell und dergleichen mehr (was weder meiner zarten Seite noch meinem Ego gefällt. Es ist, gelinde gesagt, ein Albtraum für beide. Dennoch, tödlich ist es nicht! Ich bin schlau und gewitzt und geschützt genug, damit umzugehen 😉 !)

Aber wenn ich es so mache, wenn ich einfach gebe, was ohnehin aus mir heraus will, dann fühle ich mich besser. Ich bin stärker und gesünder. Ich bin viel liebevoller und offener. Ich bin dankbar für mein Leben, für meinen Atem, für die intensiven Farben und die Menschen um mich herum. Meine Meditationen sind schöner. Ich bin geduldiger mit anderen und fühle mich weit weniger bedürftig (Tatsache!). Ich bin einfach glücklicher, wenn ich meine Energie fließen lassen kann. Und ich habe mehr Kontrolle!

Mein Innenleben wird dadurch so reich, dass es ganz gut für mehrere Personen ausreichen würde, aber, seufz, was soll ich machen, in mir lebe halt nur ich 🙂

Außerdem gibt es Grund zur Hoffnung, dass irgendwo an irgendeinem anderen Ort und einem anderen Computer der Welt ein Mensch sitzt, der das liest und sich vielleicht einen kleinen Augenblick lang glücklicher, inspiriert oder etwas leichter fühlt. Weil er vielleicht schmunzeln muss, sich verstanden fühlt oder etwas weniger allein.

Nunja,… ich würde sagen, … alles in allem:

Das ist es mir wert! 🙂

Mantradevi with love

4 Comments

  1. Annika 29. Juni 2017 at 17:59 - Reply

    Wow! Das ist ein wunderschöner Blogpost. Ich bin sehr gerührt. Von Herzen: Vielen Dank!

    • Mantradevi 29. Juni 2017 at 22:41 - Reply

      OH! Danke schön für das tolle Feedback! 🙂 Das freut mich sehr…!

  2. Vanessa 24. März 2018 at 21:29 - Reply

    Danke ❤️
    Ich fühle mich leichter und weniger allein.
    Alles Liebe
    Vanessa

    • Mantradevi 25. März 2018 at 22:21 - Reply

      Vanessa, das war das Schönste, was Du mir schreiben konntest. – Ich danke Dir!
      Von Herzen alles Liebe und Gute für Dich und Deinen Weg,
      Mantradevi

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